EIN LEBEN LANG LERNEN


 

 

Unser Schulteam hat eine zweijährige Ausbildung im Rahmen eines Montessori-Diplomkurs begonnen, bzw. einige von uns haben eine vor 18 Jahren begonnene Ausbildung nun in einem anderen Institut fortgesetzt. Einmal im Monat fährt ein Teil unseres Teams in das Montessori – Labor Berlin. Unseren ehemaligen Lehrer Claus - Dieter Caul haben wir damit verwundert, er fragte sich und uns, warum ehemalige Schüler*innen von ihm einen anderen Kurs besuchen. Dabei hatten wir doch von ihm gelernt, neugierig zu bleiben, immer weiter zu forschen und vor Autoritäten nicht bedingungslos das Haupt zu beugen. 

Jeder weiß, dass lebenslanges Lernen eine tolle Sache ist und doch ist es gängige Praxis,  sich zu verlassen auf das, was bereits funktioniert. Gerade mit einem Montessori- Diplom in der Tasche und vielen Jahren Berufserfahrung kann man den Eindruck erlangen, bereits alles Notwendige zu wissen. Da unser Team sich aus unterschiedlichen fachlichen Kompetenzen zusammensetzt und regelmäßig externe Fortbildungen nutzt, bleiben wir ohnehin im fachlichen Diskurs. Die Montessori – Materialien werden auf eine bestimmte Art und Weise benutzt, das ist relativ festgelegt. Warum also noch mal lernen in einem Bereich, den man so gut kennt? Weil das Material immer anders sein wird, wenn die eigene Verfassung eine andere und der Lehrer ein anderer ist. Außerdem haben wir Erwachsenen auch sensible Phasen, wir nennen das nur anders. Das lebenslange Lernen ist etwas, wozu wir unsere Kinder ausbilden wollen. Wenn wir daran glauben, müssen wir es selbst versuchen und dürfen uns nicht ausruhen auf etwas, was wir zu kennen oder können meinen. 

 

Wir üben nun gemeinsam einmal im Monat das Arbeiten mit den Montessorimaterialien. Wir erfahren im Kontext dieser Weiterbildung viel über Maria Montessori. Eine Beschäftigung mit dieser großen Reformpädagogin ist kaum möglich ohne innere Verneigung, selbst wenn wir in der Gründungsphase viel Wert darauf gelegt haben, unsere Pädagogik frei von Gurus zu halten und stattdessen anhand von Realitäten zu entwickeln, da wir auch gar nicht verehren wollten. Mittendrin in der Auflösung und Neubildung eines Staates war da eine große Angst vor Dogmen und deshalb lehnten wir auch Überschriften, die eine bestimmte Pädagogik präferierten, für unsere Schule ab. Eine intensive Beschäftigung mit der Montessoripädagogik ermöglicht ein Verstehen, dass sich Montessori und Realität nicht widerspricht, dass ihre Pädagogik ganz und gar undogmatisch und sowieso sehr modern ist. Sie war ja auch immer ihrer Zeit voraus. Man muss sich das einmal vorstellen: Diese Frau wird hineingeboren in das ausgehende 19. Jahrhundert, eine Welt, die geordnet ist nach einem klaren Muster. In Italien herrschen patriarchale Strukturen, die Ehe hat einen hohen Stellenwert und doch wird Maria Montessori keinen Ehemann haben, sich zeitlebens der Forschung widmen, die erste promovierte Ärztin Italiens sein und das erste Kinderhaus eröffnen. Mit ihrem reformpädagogischen Ansatz wird sie weltweit die Pädagogik revolutionieren. Obwohl es unmöglich war in dieser Zeit ein uneheliches Kind aufzuziehen, sie ihren Sohn also fortgeben musste, wird er sie in ihren späten Forschungsjahren begleiten und unterstützen, später ihr Erbe fortführen.

Neben den durchachten Montessori - Materialien fasziniert uns zunehmend ihr Ansatz, den Kindern mittels Geschichten, den sogenannten „Kosmischen Erzählungen“, das große Ganze zu geben. So verstehen die Kinder Zusammenhänge, um sich im Weiteren mit den Details zu beschäftigen. 

Wir haben das im Rahmen unseres Welterkundungsunterrichts von Anfang an praktiziert, aber wir tun es jetzt mit einem tieferen Verständnis. Und wir beginnen, neue Geschichten zu entwickeln. 

 

Wir leben im 21. Jahrhundert. Es ist das Zeitalter, in dem Planeten abtauchen, unbekannte kleinste Teilchen auftauchen und neue Menschenarten entdeckt werden. Welt und Wissen sind in Bewegung und durch die Medien findet ein ständiger Austausch statt. Um so wichtiger, dass Kinder von Anfang an Zusammenhänge erkennen und einordnen können, selbst wenn das tiefe Verstehen erst nach einem bestimmten Zeitraum einsetzt. Es ist ja an sich schon eine große Erkenntnis für ein Kind zu erfahren, dass es Teil eines Systems ist, im Kleinen wie im Großen. Aber noch spannender wird es, wenn man versteht, wie sich das eine auf dem anderen begründet, dass Fehler wiederholt werden, dass man aus Fehlern auch lernen kann. 

Wir schreiben Geschichte mit und deshalb kann es nicht verkehrt sein, das verantwortlich zu tun.