DIE FAMILIE KANN MAN SICH NICHT AUSSUCHEN; DIE ZWEITFAMILIE SCHON


In unseren ersten Jahren als freie Schule konnten wir uns darauf berufen, dass es ein großes Qualitätskriterium unserer Schule war, dass Team und Elternschaft die Schule nicht in Wellen verlassen. Dass alle bleiben wollen.  Nun ist das anders. Wir hatten eine Trennungswelle 2015 und in der Folge weitere Trennungen, aktuell wieder. Diese Trennungen passieren alle aus unterschiedlichen Gründen und doch hängen sie irgendwie miteinander zusammen. Wir sind ein sehr kleines Haus. Wenn einer geht, betrifft das nie nur einen. Wir hören manchmal von Eltern: Mit der Schule haben wir kein Problem, das ist eine Superschule, ABER… und dann kommen unterschiedlichste Gründe, warum Eltern eben doch Schwierigkeiten haben. 

 

Die Qualität unserer Schule und die sehr besondere Ausbildung der Kinder ist ja kein Abfallprodukt unseres Konzeptes sondern ihr Kern. Weil unsere Schule arbeitet, wie sie arbeitet, sind die Kinder in der Lage, ihr Potential voll auszuschöpfen. Weil unsere Schule arbeitet, wie sie arbeitet, kommen die Kinder so gern zu uns. Und unsere Schule arbeitet nur so wie sie arbeitet, weil sie diesen Kindergarten, weil sie dieses Team hat. 

 

Wer Baek wählt, und das erfährt man spätestens beim Elternwochenende, meist aber schon beim Aufnahmegespräch, wählt einen sehr kleinen Schulrahmen, der im Wesentlichen davon ausgeht, dass der Austausch, die Kommunikation funktioniert. Und wesentlich für gelingende Kommunikation ist wiederum Vertrauen. Das hat nicht jeder in die Wiege gelegt bekommen, das erarbeitet man sich unter anderem über eine aktive Mitarbeit. Wir bieten diesem Vertrauen einen förderlichen Rahmen. Dazu arbeiten wir mit einem  hohen Maß an Transparenz und Kommunikationsstrukturen, die vorhanden sind oder einberufen werden können. Wer diese Zugänge nicht nutzt, hat es zumindest langfristig mit dem Thema Vertrauen schwerer.

 

Wir sind eine kleine Schule, die ähnlich einer Familie funktioniert. Das kann man bedauern, anstrengend oder unheimlich finden, aber das ist die Ausgangssituation. Zu einer solch familien-ähnlichen Struktur gehört auch, dass wenn jemand in seinem Vertrauen erschüttert ist, das ganz Repertoire ausgereizt wird, das man in Trennungsprozessen anzubieten hat. Jeder geht anders mit Trennungen um. Manchmal wird eine Schuldfrage konstruiert, manchmal gibt es ein benanntes Aufgeben, in das man hineininterpretieren darf, manchmal bleibt es auch einfach für alle nebulös. Der eine oder andere nutzt Gespräche, um Vertrauen wieder aufzubauen, das ist aber nicht für jeden ein gangbarer Weg.

 

Wenn eine Familie unsere Schule verlässt, na klar, dann sind mehr betroffen als nur diese eine Familie. Deshalb kann es passieren, dass der Weggang einer Familie kein Einzelfall bleibt. Daraus kann eine Dynamik entstehen, der wir uns nur schwer erwehren können. Zumal unsere befreundete Schule, die Montessorischule Wittenberge, für Baeker Kinder die Tore offen hält - und das ist auch gut so! Dennoch gibt es in jedem Fall einen Verlierer des Konflikts: das Kind, welches unsere Schule nicht verlassen will. 

Um das aber klarzustellen: In der Regel trennen sich die Familien von uns und nicht wir von den Familien. 

Wenn sich Familien von uns trennen, sind die Gründe so vielfältig wie die Familien. Es besteht hier kommunikativ ein Ungleichgewicht, die beteiligten Partner haben unterschiedlich hohe Freiheitsgrade im Austausch. Leider, aber auch ganz notwendigerweise sind nämlich von Seiten des Teams Gründe nicht kommunizierbar, unter anderem aus datenschutzrechtlichen Gründen. Währenddessen dürfen  natürlich die Familien in der Elternschaft und außerhalb sagen, was sie fühlen oder wie sie Prozesse bewerten. 

 

Trotz und gerade wegen dieses geschilderten Ungleichgewichtes gilt: In der Zusammenarbeit funktioniert Transparenz nur in beide Richtungen. Sie gilt für Team und Eltern. Ihr dürft gern bei uns zuschauen und mit uns sprechen! Und wir wollen wissen, in welchen Prozessen ihr steckt, was euch bewegt, welche Fragen ihr habt. Wir sind eine Schule mit 40 - 45 Kindern, da kennt jeder jeden oder hört jeder von jedem. Das ist gewollt. Viele Entscheidungen und Bewegungen sind nicht mit rechtlichen oder formalen Maßgaben zu begründen, wir bewegen uns in Prozessen. 

 

Wenn ihr Fragen habt, dann führt eure Prozesse mit allen, man kann an so einer Schule nicht am Team oder bestimmten Teamteilen vorbeiagieren. Die Stabilität im Konzept und die damit verbundene Qualität der Schulausbildung und Schulabschlüsse unserer Kinder hat neben den unterschiedlichen Teamqualifikationen wesentlich mit der Stabilität der Gründergeneration zu tun. Wir verwehren uns gegen den Eindruck, es habe sich so viel verändert, Kinder würden aussortiert werden oder wir trennen uns, wenn Kritik geäußert wird. Der Punkt ist doch der, wer Kritik da äußert, wo sie auch gehört werden kann, hat konstruktiv an einem Entwicklungsprozess teilgenommen. Foren dafür gibt es genug: Elterngespräche, Teamsitzungen, Vorstandsgespräche, Elternversammlungen, Mail, Supervisionen, Mediationen. Wir haben ja sogar ein Beschwerdeverfahren, zugänglich für jeden auf unserer Website. Zusätzlich sind neben der Elternvertreterin in der Schule, Mitglieder des Vorstands ebenfalls Ansprechpartner für Team- und Elternfragen. Wer etwas verändern will, nutzt diese Zugänge. Alles andere ist zersetzend und wird früher oder später ohnehin in einer Trennung enden. 

 

Und Eltern, nutzt die entspannte Kindergartenzeit! Eltern, die die Vertrauensfrage in dieser Zeit geklärt hatten, waren 6 Schuljahre zufrieden mit uns und sind es bis heute. Deren Kinder kommen uns auch heute als junge Heranwachsende noch besuchen oder arbeiten bei uns. Da in der Schule für viele Eltern tatsächlich erst der „Ernst des Lebens“ beginnt, treten da auch erst die Probleme zutage, die ihr vorher unterschwellig vielleicht schon hattet. Ihr werdet um die Bedenkenträger, um die Ratlosen und die Rastlosen nicht herumkommen. Elternrunden gibt es immer wieder, was sie mit euch machen, liegt an eurer individuellen Ausgangssituation. Und was es mit euren Kindern macht, erleben wir an der Schule. Verunsicherte Eltern verunsichern phänomenal ihre Kinder, d.h. alle prophezeiten Schwierigkeiten treten tatsächlich ein.

 

So wie wir im Rahmen des neu eingeführten Aufnahmeverfahrens prüfen, ob wir miteinander arbeiten sollten, prüft ihr bitte, ob ihr dieses Haus weitere 6 Jahre tagtäglich besuchen wollt. Wenn da irgendwo doch eine Störung lauert, dann arbeitet mit uns an der Beseitigung oder entscheidet euch nicht für uns. Denn sonst sind Leidtragende eure Kinder. Für sie wird bei einem vorzeitigen Abbruch in jedem Fall ein sicherer Hafen, ein zweites Zuhause aufgelöst, werden Beziehungen beendet und wird ein Lernprozess, der ja viel umfassender ist als Lesen und Schreiben lernen, gestört. Unsere Schule ist auf 6 Jahre angelegt. 6 Jahre bedeuten neben allem Schönen an unserer Schule natürlich auch Reibung, Missverständnisse, Emotionalität und Schwierigkeiten. Das muss man ausleben dürfen und dafür braucht es Sicherheit. Bei einer Trennung nehmt ihr euren Kindern unter anderem die wunderbare Erfahrung eines gelingenden Abschieds nach all diesen Prozessen. Dass das Folgen fürs das Erwachsenenleben haben könnte, liegt auf der Hand.

 

In der Regel sind es ja nicht die Kinder, die uns verlassen. In den Gründungsjahren hörten wir schon mal, mein Kind lernt nicht genug. Wir übten ja alle noch. In den letzten Jahren hörten wir das nicht mehr, die Qualität der Ausbildung ist in jedem Fall gestiegen. Das ist nachweisbar, unter anderem durch die Ergebnisse der Zwischentests. Eltern bewegen heute andere Fragen und die haben ihren Ursprung letztlich in dem, was wir anbieten, ein Netzwerk für Gespräche und Austausch. Nutzt diese Chance für einen konstruktiven Dialog!